Hannah And Her Sisters

Hannah And Her Sisters gilt neben Annie Hall und Manhattan als einer der gelungensten Filme Woody Allens. In jedem Fall ist Hannah And Her Sisters als typischer Allen-Film einzustufen: Er thematisiert das Lieben und Leben einiger New Yorker im Künstlermilieu, zelebriert die Stadt, besticht durch pointierte Dialoge und rückt in einem Handlungsstrang die beim jungen Allen nicht wegzudenkenden Neurosen in den Mittelpunkt.

Hannah And Her Sisters funktioniert als Komödie genauso wie als Drama. Alle Figuren des Ensemblefilms stehen im Zusammenhang mit Hannah und ihren Schwestern: Hannah (Mia Farrow) ist die scheinbar perfekte Frau; sie ist als Schauspielerin erfolgreich, dient als emotionaler und finanzieller Anker für ihre Familie und ist glückliche Mutter und Ehefrau. Doch ihr Mann Elliot (Michael Caine wunderbar verunsichert und im schrecklichen 80er-Jahre-Outfit) fühlt sich stark von Hannahs Schwester Lee (Barbara Hershey, Black Swan) angezogen. Die steckt in einer Beziehung mit dem älteren Künstler Frederick (Max von Sydow), einem Misanthropen, der Lee mehr als Schülerin denn als Partnerin sieht. Die dritte Schwester ist Holly (Dianne Wiest (Synecdoche, New YorkRabbit Hole), gewohnt großartig): Sie ist ein nervöses Wrack, erst seit kurzem nicht mehr kokainsüchtig und hofft auf ihren Durchbruch als Schauspielerin. Bis es soweit ist, lässt sie sich von Hannah finanzieren. Anfangs nur wenig mit den Schwestern zu tun hat Mickey (Allen), Hannahs früherer Ehemann, Fernsehproduzent und Hypochonder: Er fürchtet, einen Hirntumor zu haben und gibt sich auf die Suche nach der Bedeutung im Leben.

Mühelos jongliert Allen die unterschiedlichen Charaktere und ihre Geschichten. Noch dazu beeindrucken Regie und Kameraarbeit: In einer intensiven Szene treffen sich die drei Schwestern in einem Restaurant; sie streiten und die Kamera rotiert um den Tisch und fixiert immer wieder eine der Schwestern, die gerade nicht spricht. Allen fängt durch solch kleine Tricks Emotionen gekonnt ein. Zusätzlich setzt er Voice-overs ein, die das Innenleben der Charaktere nach außen tragen.

Bis zur Veröffentlichung von Midnight in Paris war Hannah And Her Sisters der kommerziell erfolgreichste Film Allens. Sicherlich haben die beiläufig-gemütliche Inszenierung sowie die hervorragend geschriebenen und gespielten Charaktere damit etwas zu tun. Doch in einer weiteren Hinsicht ist Hannah And Her Sisters zugänglicher als die meisten Allen-Filme: Allen gönnt seinem Publikum ein Happy End. Das ist dann doch etwas untypisch für Allen und will auch nicht so recht mit dem übrigen Film zusammenpassen. Doch bis aus das ungewohnte Ende ist Hannah And Her Sisters ein weiteres kleines Meisterwerk.

9/10

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