Twelve Monkeys

Vermutlich sollte man nicht voreingenommen an einen Film herangehen. Doch Twelve Monkeys stand ich sehr skeptisch gegenüber. Terry Gilliam (Fear And Loathing In Las Vegas, The Imaginarium Of Doctor Parnassus) macht aus guten Ideen meist mittelmäßige, optisch dafür einzigartige Filme und wird folgerichtig oft mit Tim Burton verglichen.

Die Idee hinter Twelve Monkeys ist eine faszinierende: Im Jahr 1996 rottet ein Virus fast die gesamte Menschheit aus. Etwa ein Prozent der Bevölkerung überlebt, zieht sich aber unter die Erde zurück. 2035: Die Oberfläche wird mittlerweile von den Tieren beherrscht. Der Sträfling James Cole (Bruce Willis) ist einer der Überlebende. In der unterirdischen Gesellschaft, die offenbar von Wissenschaftlern regiert wird, stellt er sich für ein Zeitreiseexperiment zur Verfügung. Cole soll im Jahr 1996 Informationen über das Virus sammeln, damit 2035 Heilmethoden erforscht werden können.

Und hier unterscheidet sich Twelve Monkeys von anderen Filmen zum Thema Zeitreise: Die Vergangenheit kann nicht verändert werden. Die Gegenwart ist ein Ergebnis der Vergangenheit, samt aller Versuche, diese zu ändern. Damit ist klar, dass das Virus nicht gestoppt werden kann, die fünf Milliarden Menschenleben verloren sind.

Reichlich Spannung bietet Twelve Monkeys dennoch: Cole landet in einer Psychiatrie, da ihm – Überraschung! – keiner glaubt, dass er aus der Zukunft kommt. Seine Psychiaterin Kathryn Railly (Madeleine Stowe, Short Cuts) kann er zwar schließlich überzeugen, doch dann befinden sich die beiden schon längst in einem durch eine Vertigo-Referenz aufgeblasenem Spiel mit Identitäten.

Optisch einzigartig kommt Twelve Monkeys als Gilliam-Film tatsächlich daher. Die Zukunft im Untergrund legt er dreckig und rostig an. Das Setdesign ist nicht nur ungewöhnlich, sondern wirkt vor allem unecht und ist ständig als Kulisse präsent. Auf Schauspielerebene überzeugt insbesondere Bruce Willis. Brad Pitt (Seven, Inglourious Basterds, The Tree Of Life) übt sich in Overacting, konnte sich mit Twelve Monkeys aber trotzdem seine erste Oscarnominierung erspielen.

Twelve Monkeys ist also tatsächlich einer von Gilliams besseren Filmen; als Zeitreisefilm kann er Logiklöcher dazu noch erstaunlich gut vermeiden. Und dennoch: An meiner Gilliam-Abneigung ändert auch dieser Film nichts.

7/10

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