Let Me In

Nachdem scheinbar jeder halbwegs erfolgreiche asiatische Horrorfilm für den amerikanischen Markt neu verfilmt worden ist, muss nun auch ein schwedischer Genrefilm herhalten: Let The Right One In wurde 2008 von Kritikern und Publikum begeistert aufgenommen. Matt Reeves, Regisseur von Cloverfield, kündigte an, aus der Buchvorlage von Lindqvist einen ganz eigenen Film machen. Das tat er letztlich nicht: Let Me In gleicht dem schwedischen Original ungemein und ist gerade deshalb ein ziemlich ansehnlicher Film geworden.

Die Geschichte konzentriert sich noch mehr als in Let The Right One In auf Owen (Kodi Smit-McPhee) und Abby (Chloë Grace Moretz, Hugo). Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem 12-jährigen Jungen, der in der Schule aufs Übelste gemobbt wurde und dem ewig 12-jährigen Vampir Abby schafft es wie schon im Original zu berühren. Reeves kürzte die Geschichte um Virginia und ihre Clique fast ganz zusammen und nahm auch keine der vielen weiteren Nebenhandlungen des Romans in seinen Film auf.

Let Me In gelingt es nicht ganz so hervorragend wie seinem Vorgänger, eine unheimliche Atmosphäre der Melancholie zu schaffen. Nichtsdestotrotz ist Reeves Inszenierung ruhig und stimmungsvoll; er macht vieles richtig. In einzelnen Szenen kann er eigene Akzente setzen – der Autounfall ist beeindruckend inszeniert -, andere Regieentscheidungen wirken dagegen unverständlich (warum den Film in der Mitte der Handlung einsetzen lassen?), viele Szenen wiederum gleichem dem Original bis hin zur Kameraeinstellung. Man erkennt in Let Me In die Handschrift Tomas Alfredons, dem Regisseur von Let The Right One In, sehr genau.

Für sich betrachtet ist Let Me In ein sehr gelungener Film: Smit-McPhee, Moretz und Richard Jenkins, der die Rolle von Abbys Versorger einnimmt, sind hervorragende Darsteller, die Stimmung des Films betört, die Geschichte von Owen und Abby berührt. Im Vergleich zum Original hat Reeves sogar den spannenderen Film geschaffen. Doch wie viel Wert hat ein Film, der so viel von einem anderen übernimmt, so wenig Neues einbringt?

Wer Let The Right One In gesehen, kann auf Let Me In verzichten. Alle anderen können sich zwischen zwei gelungenen Filmen entscheiden, von denen einer auf der künstlerischen Ebene schlicht mehr geleistet hat.

7/10

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