Weekend

Nach überschwänglichen Lobpreisungen von einer „der schönsten Kino-Liebesgeschichten der vergangenen Jahre“ (Der Spiegel), bis zu einem der „truest, most beautiful movies ever made about two strangers“ (Boston Globe) war ich mächtig gespannt auf den Independent-Film Weekend. Eine einzige Vorstellung gab es in München; in anderen deutschen Großstädten muss man ebenso aufpassen, wenn man Weekend nicht verpassen will. Doch verpasst man überhaupt so viel?

Regisseur Andrew Haigh erzählt in bestechend naturalistischer Weise die Geschichte von Russell (Tom Cullen), einem Bademeister Mitte 20, der schwul ist, aber einen ausschließlich heterosexuellen Freundeskreis hat. Er ist so gar nicht camp, etwas schüchtern, aber doch geht er allein in einen Schwulenclub und lernt dort Glen (Chris New) kennen. Der One Night Stand entwickelt sich über ein einziges Wochenende zu einer intensiven Beziehung, deren Ende schon früh feststeht: Glen wird nach dem Wochenende in die USA gehen, um dort sein Studium zu beginnen.

Was als homosexuelle Version von Before Sunrise – und damit vielversprechend  (es kann nicht genug Filme über interessante Gespräche zwischen komplexen Charakteren geben) – beginnt, wird, je näher man Glen kennenlernt, ziemlich nervig. Ihn als extravertierten Künstler dem ruhigen Russell gegenüberzustellen, ist noch eine gute Idee, doch seine Ansichten und Launen machen ihn unausstehlich, lassen ihn kindisch wirken. Er mag die Homo-Ehe nicht, da sie nur eine Anpassung an das von Heterosexuellen geprägte System darstelle und beschwert sich immer wieder über die Propaganda eines heterosexuellen Lebensentwurfs.

Weekend hätte ein berührender, intelligenter Liebesfilm werden können, doch mit Glens Charakter macht Weekend Homosexualität zum Politikum und zerstört gleichzeitig seine dramatische Komponente: Das nahende Ende des Wochenendes soll die Spannung erhöhen; doch letztlich ist man erleichtert, dass Russell eine Beziehung mit Glen verschont bleibt.

Das klingt alles furchtbar negativ, dabei macht Haigh vieles richtig: Er inszeniert seine Geschichte angenehm beiläufig, schreibt herrlich natürliche Dialoge und hat auch noch das Glück, zwei Schauspieler gefunden zu haben, die schon in ihrem Debüt beeindrucken. Dann schießt Weekend über sein Ziel hinaus, will mehr als nur ein Liebesfilm sein und geht fortan ein bisschen auf meine Nerven.

All zu viel verpasst man also nicht: 6/10

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