The Last Picture Show

Die 70er Jahre dürften wohl als die kreativsten in die Geschichte des amerikanischen Films eingehen: Die Filme des New Hollywoods brachen mit den Regeln des alten Systems, machten Außenseiter zu ihren Stars und verzichteten auf das obligatorische Happy End. Filmemacher wie Francis Ford Coppola (Apocalypse Now), Roman Polanski (Chinatown) oder Martin Scorsese (Mean Streets) betrachteten ihre Gesellschaft mit einem skeptischen Blick, ersetzten Hollywoods Traumwelt durch eine dreckige Realität voller Sex und Gewalt und schreckten auch vor der politisch liberalen Botschaft nicht zurück. Peter Bogdanovichs The Last Picture Show gilt als einer der Höhepunkte des New Hollywoods.

Angesiedelt in einem texanischen Kaff Anfang der 50er Jahre, seziert der Film die kulturellen Veränderungen der amerikanischen Gesellschaft. Veränderungen machen auch Sonny (Timothy Bottoms) und Duane (Jeff Bridges) durch. Beide kommen aus zerbrochenen Familien, befinden sich im letzten Schuljahr und enttäuschen als Mitglieder ihres Football-Teams, das nur für eine rekordverdächtige Niederlage zu haben ist, ihr ganzes Dorf. Doch sie haben größere Probleme: Ihre Beziehungen sind zum Scheitern verurteilt, eine Collegeausbildung kommt nicht in Frage. Welche Zukunft erwartet sie also? Ehe? Krieg? Ein dauerhaftes Leben in Anarene, Texas?

Bogdanovich erzählt nicht nur vom Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter. Die Erwachsenen selbst haben ebenso ihre Probleme: Fast alle scheinen gefangen zu sein in einer Beziehung. Sie finden in ihr keinen Halt, keine Unterstützung, sie suchen ständig nach dem idealen Partner, mit dem alles besser wird. Finden sie ihn, so ist er nur eine nostalgische Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Und so ändern sie nichts an ihrem Zustand, leben einfach so weiter und nähern sich Stück für Stück der emotionalen Isolation. Denn das Dorf stirbt langsam aus, das örtliche Kino gibt die letzte Vorstellung, das Fernsehen hält Einzug in die amerikanische Gesellschaft.

The Last Picture Show ist ein pessimistischer, aber stilvoller Blick in das leere Herz einer Gesellschaft: In kargen schwarz-weiß-Bildern inszeniert Bogdanovich den Weg in eine wenig hoffnungsvolle Zukunft. Neben Bottoms und Bridges (The Big Lebowski, True Grit) kann auch das restliche Ensemble überzeugen. Vor allem Chloris Leachman und Ellen Burstyn (Requiem For A Dream) glänzen als unglückliche Hausfrauen, die mit ihren Sorgen auf verschiedene Arten umgehen.

Bis man als Zuschauer aber Teil von Anarene, Texas wird, vergeht einige Zeit. In die episodenhafte und langsame Erzählweise muss man sich erst einfinden. Doch schließlich ist man doch bewegt vom Dorf ohne Zukunft: Das Kino schließt seine Pforten und der Zuschauer bleibt etwas hoffnungslos zurück.

8/10

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