A Christmas Carol

Die Geschichte von Charles Dickens‘ A Christmas Carol dürfte so ziemlich jedem bekannt sein: Der alte Geizhals Ebenezer Scrooge wird in der Weihnachtsnacht von verschiedenen Geistern heimgesucht, die ihm vergangene, gegenwärtige und zukünftige Weihnachtsfeste zeigen und Scrooge so über Nacht zum besseren Menschen machen. Der Klassiker wurde schon zuhauf verfilmt, doch Robert Zemeckis, einst Regisseur von verehrten Filmen wie Forrest Gump oder Back To The Future und mittlere Spezialist für hässliche Animationswerke wie The Polar Express oder Beowulf, war wohl der Meinung, dass das Publikum nach einen weiteren Version, natürlich in 3D, verlangt. Das verheerende Ergebnis ist dieser Film.

Mittels Motion-Capture-Verfahren wurde aus Jim Carrey (Eternal Sunshine Of The Spotless Mind) Scrooge. Mit starkem Akzent hüpft, rutscht und fliegt er durch die computeranimierten Landschaften, die ausschließlich für einen schönen 3D-Effekt erschaffen wurden. Mit seinem markanten Äußeren kann Scrooge immerhin optisch einigermaßen überzeugen. Die anderen Figuren leiden unter der Motion-Capture-Technik: Sie wirken zu menschlich und sind dennoch animiert – das Ergebnis sind leblosen Menschenhüllen, die mit toten Puppenaugen durch das Landschaft starren. Die Technik funktioniert bei unmenschlichen Wesen – Gollum oder Caesar aus Rise Of The Planet Of The Apes fügten sich perfekt in das Filmgeschehen ein; geht es um Menschen, ist das Ergebnis allerdings eher gruselig.

A Christmas Carol ist der Inbegriff dessen, was ich an Filmen verachte: Nichts am Film ist das Resultat von Kreativität, alles (die selbst in der 2D-Version als penetrant zu erkennenden 3D-Effekte, die großen Namen im Cast, das Titellied von Andrea Bocelli) ist zutiefst berechnend. Emotionen werden nur vorgetäuscht und gehen im Effektbombast gänzlich unter. Wenn am Ende dann alle glücklich sind und die letzten Zeilen „God bless us. Every one.“ erklingen wird aus einer schönen Geschichte ein kalkuliertes Rührstück, das keine Weihnachtsgefühle, sondern nur Brechreiz auslöst.

1/10

 

Advertisements