23

Zum 14. Geburtstag bekommt Karl Koch (August Diehl) von seinem Vater den Roman Illuminatus! von Robert Shea und Robert Anton Wilson geschenkt. Es geht um Verschwörungen, die Machenschaften des Illuminatenbundes und die ihn repräsentierende, allgegenwärtige Zahl 23. Karls Vater, der Leiter einer konservativen Zeitung, hat keine Ahnung, was er damit angerichtet haben wird. Ein paar Jahre später, wir befinden uns im Hannover der 80er Jahre, ist der Vater tot. Der sich auch im Privaten abspielende deutsche Generationenkonflikt zwischen der liberalen, sich gegen Atomkraft engagierenden Jugend und dem Koservatismus einer Elterngeneration, welche die Vergangenheit nie aufgearbeitet hat, scheint vorbei zu sein: Karl erbt 50.000 DM, ist endlich frei, mietet seine erste eigene Wohnung, kauft Marihuana – und einen Computer. Bei einem Treffen des Chaos Computer Clubs lernt er David (Fabian Busch) kennen und findet in ihm endlich einen Freund, der sich ebenso für die Zahl 23 und Computer interessiert. Nach Erfolgen beim Hacken in Rechner von Universitäten und einem Atomkraftwerk, werden die Kleinkriminellen Pepe (Dieter Landuris) und Lupo (Jan Gregor Kremp) auf die beiden aufmerksam. Pepe verschafft Karl einen Kontakt zum KGB in Ostberlin und im Sinne der Gleichverteilung von Information werden Karl und David gut bezahlte Spione. Bald lässt sich die viele Arbeit nur noch mit Kokain bewerkstelligen und Karl taucht immer tiefer ein in sein Wahnsystem, in dem die Illuminaten eine dominierende Rolle spielen.

Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges inszeniert Hans-Christian Schmid die wahre Geschichte Karl Kochs auf nüchterne Weise. Durch viele Originalaufnahmen und Nachrichtensequenzen entsteht ein fast schon dokumentarischer Charakter. Schmid zementiert Kochs Geschichte, ein Stück weit auch seine Realität, in der Realität der 80er Jahre und zeichnet dadurch eine düstere deutsche Vergangenheit. Karl Kochs Geschichte entsteht dadurch nicht nur als Konsequenz seines Handelns, seines Drogenkonsums, sondern auch als Produkt seiner Zeit.

Detailverliebt ausgestattet und auf hohem schauspielerischem Niveau ist 23 – Nichts ist so wie es scheint ein Hacker-Film, von dem sich Hollywood-Blödsinn wie Hackers oder The Net einiges abschauen könnte.

8/10

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