The Help

Würde ein Film mit einem derart kitschtriefenden Lied wie „The Living Proof“ von Mary J. Blige starten, hätte ich ihm wohl kaum mehr als fünf Minuten gegeben. Glücklicherweise lief das Geträller erst im Abspann, so dass ich zweieinhalb Stunden gut unterhalten wurde.

Der größtenteils von einem Frauenensemble getragene Film ist im Mississippi der frühen 60er Jahre angesiedelt. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung kommt gerade erst ins Rollen, schwarze Frauen arbeiten grundsätzlich als Hausmädchen. Sie putzen und kochen, sie erziehen weiße Kinder und sind 20 Jahre später deren Angestellte. Als die weiße Frauenclique, angeführt von Hilly Holbrook (Bryce Dallas Howard), auch noch ein Gesetz für separate Toiletten für die schwarzen Bediensteten durchbringen will, beschließt Skeeter (Emma Stone, Zombieland), frisch zurückgekehrt von der Universität, ein Buch zu schreiben: Sie will ein Sprachrohr der Hausmädchen sein und den anstrengenden, traurigen und manchmal auch ziemlich witzigen Alltag aus ihrer Sicht schildern. Die gutherzige Aibileen (Viola Davis) und die resolute Minny (Octavia Spencer) stellen sich für Interviews bereit, müssen jedoch um ihre Jobs fürchten. Und Skeeter selbst stößt nicht nur auf Unverständnis bei ihren Freundinnen, sondern macht sich auch ziemlich unbeliebt.

Das größte Problem von The Help sind seine Figuren: Regisseur Tate Taylor (oder vielleicht auch schon Kathryn Stockett, von der die Romanvorlage stammt) zeichnet keine dreidimensionalen Charaktere; jeder lässt sich leicht in die Schublade „gut“ oder „böse“ stecken. So sind Aibileen und Minny stereotype schwarze Hausmädchen, Hilly ist eine rassistische, dämliche Göre und damit fast schon die Karikatur eines Filmbösewichtes. Einzige Ausnahme ist die zunächst vollkommend übertrieben dargestellt erscheinende Celia Foote (Jessica Chastain), die als naives White-Trash-Dummchen aus dem Kreis der weißen Vorstadtmütter ausgeschlossen wird und unter emotionalen Problemen leidet.

Jessica Chastain und Octavia Spencer als Celia und Minny

Jessica Chastain, die sich nicht nur optisch von ihrer Rolle der vollkommenen Mutterfigur in The Tree Of Life unterscheidet, bildet für mich das Herz des Films. Sie gibt ihrer Celia so viel Wärme und hebt sie weit über den Status des dummen Blondchens hinaus. Celia bleibt kein Stereotyp, ihre Figur schafft es, den Zuschauer zu bewegen. Dass dies beim restlichen Film nicht so ganz gelingen will, liegt sicher nicht an den Schauspielerinnen: Octavia Spencer sorgt für die Auflockerung von The Help und Viola Davis, die in Doubt sogar Meryl Streep überragte, holt alles aus ihrem Material heraus.

Doch Taylor inszeniert seinen Film so plakativ-melodramatisch, er will sein Publikum zum Mitfühlen zwingen und scheitert doch gerade daran: Einen tränenreicher Abschied, bei dem die ausgestreckte Hand noch gegen die trennende Scheibe gepresst wird, ist vielleicht in einem Gefängnisdrama angebracht, in The Help wirkt er allerdings übertrieben – vor allem, weil danach weitere, mindestens genauso dramatische Szenen im Fünf-Minuten-Takt folgen.

The Help ist trotzdem sehr unterhaltsam und funktioniert als Komödie sogar ziemlich gut. Ein paar Kürzungen hätten dem überlagen Film vielleicht nicht geschadet (Skeeters Liebesleben ist gänzlich uninteressant), doch auch so reicht es noch – mit einem Extrapunkt für Jessica Chastain – für

7/10.

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