Chicago

Chicago ist eines der erfolgreichsten Broadway-Musicals, doch bis zur Verfilmung hat es über 25 Jahre gedauert. Film-Musicals haben nach dem Golden Age of Hollywood kaum mehr jemanden interessiert. Bis zu Baz Luhrmanns furiosem Moulin Rouge! mussten sich Fans mit einigen Lieder in Disney-Filmen begnügen. Rob Marshall wagte sich nun an Chicago und präsentiert ein kurzweilige Nummernrevue, die manchmal durch Dialoge unterbrochen wird.

Dabei sind die meisten Lieder in den Gedanken von Roxie Hart (Renée Zellweger) angesiedelt, die so gerne ein großer Star wäre, es aber nur zur Ehefrau des Losers Amos (John C. Reilly, Boogie Nights, Magnolia, Carnage) gebracht hat. Auch ihr Liebhaber (Dominic West) verschafft ihr nicht die nötigen Kontakte, woraufhin sie ihn prompt erschießt. Und damit kommt ihre große Chance: Im Chicago der 20er Jahre füllt man mit Mord die Titelseiten und wird zum Star. Im Gefängnis besorgt ihr die Aufseherin Mama Morton (Queen Latifah) den charismatischen Anwalt Billy Flynn (Richard Gere), der noch jeder Frau zu einem Freispruch verholfen hat. Doch auch das inhaftierte Bühnensternchen Velma Kelly (Catherine Zeta-Jones) buhlt um die Aufmerksamkeit der Medien.

Und so wird munter intrigiert, gesungen und getanzt. Chicago ist eine herrlich zynische Satire auf die Welt der Stars, den heuchlerischen Medienalltag und die größte Bühne der Welt – den Gerichtssaal. Beeindruckt inszeniert (und schneidet) Marshall die Musicalszenen und kann sich dabei voll auf seine Stars verlassen. Catherine-Zeta Jones startete ihre Karriere als Sängerin und eröffnet Chicago mit „All That Jazz“ auf höchsten Niveau. Doch auch Zellweger als nicht ganz so naives Blondchen und Gere als schmieriger Anwalt überzeugen nicht nur schauspielerisch, sondern auch mit ihren Stimmen (und letzterer noch dazu mit seinem Stepptanz).

Man kann an Chicago (vielleicht zurecht) kritisieren, dass der Film eine Aneinanderreihung einzelner Stücke ist. Doch die Aneinanderreihung ist gelungen, jedes einzelne Stück ist einprägsam. Ob der umstrittenen Oscar für den Besten Film nun gerechtfertigt war oder nicht – Chicago macht Spaß und das ist die Hauptsache.

8/10

 

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