The Descendants

Wirft man einen Blick auf George Clooneys Filmographie der letzten Jahre, so kann man nur beeindruckt sein: Neben gelobten Arbeiten mit den Coen Brothers, Wes Anderson (Fantastic Mr. Fox) und Steven Soderbergh wurde er seit 2006 ganze sieben Mal für den Oscar nominiert: als Drehbuchautor, Regisseur (Good Night, and Good Luck.) und Schauspieler (Syriana, Michael Clayton). Für The Descendants hagelte es erneut Kritikerlob und eine Oscarnominierung. Clooney gibt hier den Anwalt Matt King, der mit seiner Familie auf Hawaii lebt, das Paradies dort aber nicht findet. Arbeiten müsste er nicht – zusammen mit seinen Cousins ist er Erbe wertvollen Landes auf der Insel Kaua’i, das bald verkauft werden soll. Doch vielleicht ist die Arbeit nur die Flucht aus seinem Familienleben: Seit einem Bootsunfall liegt seine Frau Elizabeth im Koma. Mittels eines Anfangs intensiv eingesetzten voice-overs erfahren wir, dass die Ehe besser hätte laufen können. Doch nun ist er auf sich gestellt, muss sich um die Erziehung der 10-jährigen Scottie (Amara Miller) kümmern und die mit Drogen und Alkohol experimentierende Alex (Shailene Woodley) auf die rechte Bahn bringen. Ausgerechnet die Entdeckung, dass Elizabeth vor ihrem Unfall einen anderen Mann liebte, bringt die kaputte Familie wieder ein Stück näher zusammen.

Für sich genommen ist Alexander Paynes The Descendants ein sehr guter Film: Payne findet von Beginn an ein angenehmes Erzähltempo und balanciert die dramatischen Momente und den Humor bis zum Ende mit Bravour. Er verleiht auch den Nebenfiguren Profil und verhilft so Darstellern wie Shailene Woodley, Judy Greer oder Robert Forster zu schauspielerischen Glanzleistungen. Selbst Alex‘ Freund Sid (Nick Krause), der vor allem als comic relief des Films herhalten muss, bekommt noch so etwas wie Tiefe – seine ständige Anwesenheit erscheint trotzdem nicht weniger absurd.

Clooney hat sich also wieder mal ein hervorragendes Projekt ausgesucht, sich aber keinen Schritt aus seiner comfort zone herausbewegt. Das ist in Anbetracht der Qualität seiner Filme zwar nicht so schlimm; es macht Clooney aber zu einem der langweiligsten Schauspieler Hollywoods. Vor Anerkennung kann er sich dennoch kaum retten. Die sollte im Fall von The Descendants allerdings weniger ihm und mehr dem großartigen Ensemble gelten.

8/10

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