Sydney/Hard Eight

Paul Thomas Anderson ist für mich der wohl interessanteste Filmemacher der Gegenwart; sonderlich produktiv ist er allerdings nicht. Auf sein Debüt, das mal Sydney, mal Hard Eight und im Deutschen gar Last Exit Reno betitelt wird, folgten ein Abstecher ins Pornomilieu, das Episodendrama Magnolia, die skurrile Romanze Punch-Drunk Love und das Meisterwerk There Will Be Blood, in dem mit dem amerikanischen Traum abgerechnet wird. Die vier eigensinnigen und doch so hervorragenden Filme ließen meine Neugierde bezüglich Hard Eight ansteigen.

Angesiedelt ist der Film in den Casinos von Reno, Nevada. Sydney (Philip Baker Hall) nimmt aus zunächst unklaren Motiven den jungen John (John C. Reilly, Chicago, Carnage) unter seine Fittiche. Er zeigt ihm, wie man mit einigen Tricks ein angenehmes Leben in der hässlichen Welt der Casinos führen kann: Die beiden wohnen kostenlos in den Hotels und spielen regelmäßig. Mit der Prostituierten Clementine (Gwyneth Paltrow, The Royal Tenenbaums, Two Lovers, Contagion) und dem zwielichtigen Jimmy (Samuel L. Jackson) gerät das gemütliche Leben allerdings aus dem Gleichgewicht und die Vater-Sohn-ähnliche Beziehung zwischen Sydney und John wird auf die Probe gestellt.

Zu Beginn von Hard Eight ist noch nicht ganz klar, wohin die Reise gehen soll: Präsentiert uns Anderson die Geschichte zweier Männer, die sich für schlauer als das Casino-System halten? Serviert er uns einen Gangster-Streifen? Lange Zeit lässt sich der Film keinem Genre zuordnen, die Handlung scheint nirgends hinzuführen und das Tempo des Films wirkt unregelmäßig. Und doch kann Hard Eight durch seinen undurchsichtigen Protagonisten eine gewisse Grundspannung aufrecht erhalten. Während John bald aufgibt zu hinterfragen, was Sydney antreibt, lässt mich als Zuschauer das Unwissen nie ganz los.

Letztlich offenbart sich Hard Eight als Drama über die Abbitte eines Mannes, der seine Vergangenheit nicht ungeschehen machen kann. Der Film gewinnt gegen Ende an Größe und erscheint dadurch retrospektiv nicht mehr so ziellos. Anderson gelang mit seinem Debüt zwar noch nicht der ganz große Wurf; als Erstling eines Regiegenies mit überzeugender (Stamm-)Besetzung ist Hard Eight aber auf jeden Fall sehenswert.

7/10

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