American Beauty

Es gibt Filme, an denen der Zahn der Zeit stärker nagt als an anderen: Seven ist so einer, Aliens ein anderer. American Beauty, so meine Befürchtungen, könnte ebenso in diese Kategorie fallen. Zu seiner Entstehungszeit wurde der Debütfilm von Sam Mendes (Away We Go, Revolutionary Road) in den höchsten Tönen gelobt, mit Preisen überhäuft und als Meisterwerk deklariert. Ob man nun, mehr als zehn Jahre später, jedoch immer noch die absolute Schönheit in einer Plastiktüte zu entdecken glaubt?

Göttliche Schönheit oder doch nur eine Plastiktüte?

Man tut es nicht. Die Plastiktüte ist nicht viel mehr als ein Stück Müll und damit kann American Beauty kein Meisterwerk mehr sein. Mag man das Video von Ricky Fitts (Wes Bentley) noch als prätentiöse Teenager-Philosophie abtun, wird die Botschaft vom Schönen in der Welt samt ihrem Symbol der Plastiktüte in der letzten Einstellung zur Wahrheit, zur Erkenntnis aus dem Jenseits erhoben. Der Filmslogan look closer wird schließlich ad absurdum geführt; genauer hinsehen muss der Zuschauer nicht, denn plakativer könnte die ja an sich nicht verkehrte Botschaft kaum transportiert werden.

Und dennoch funktioniert American Beauty auf vielen Ebenen. Die Geschichten von Lester (Kevin Spacey), Caroline (Annette Bening, The Kids Are All Right) und Jane Burnham (Thora Birch, deren Karriere nach Ghost World leider in B-Movies versandete), die sich aus ihren Gefängnissen der Ehe oder Freundschaft befreien, die sexuell erwachen, die gegen die Gewöhnlichkeit anzukämpfen versuchen, sind immer noch pointiert geschrieben und hervorragend gespielt. Die Karikaturen einer Vorstadtsatire entwickeln sich schließlich zu ausgearbeiteten Charakteren, mit denen gelitten werden darf. Allein der unverwechselbare Score von Thomas Newman und die Kameraarbeit von Conrad Hall, die Lesters Lustobjekt Angela (Mena Suvari) mit unzähligen slow-motion-Wiederholungen ein Denkmal setzt, dürften in die Filmgeschichte eingehen.

American Beauty bietet einen humorvoll-bösen Blick auf die amerikanische Vorstadt (die auch gar nicht so undeutsch ist). Der Film würde seinem Publikum zwar auch gerne lebensverändernde Wahrheiten bieten; das kann er allerdings nicht – und er muss es auch nicht.

8/10

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