Hugo

Neben dem Stummfilm The Artist geht Martin Scorseses Hugo mit elf Oscarnominierungen als Favorit in das Rennen um die goldenen Statue. Beide Film sind eine schwelgerische Hommage an eine Zeit, in der der Film noch in seinen Kinderschuhen steckte. Doch während The Artist von vorne bis hinten seine Liebe zum Film stumm ins Publikum schreit, vergeht bei Hugo zunächst eine Stunde, in der der titelgebende Held, dargestellt von Asa Butterfield, seine Abenteuer im Pariser Bahnhof erlebt.

Seit sein Vater (Jude Law, Closer, Sherlock Holmes), ein Uhrmacher, bei einem Brand ums Leben kam, wohnt der Waise Hugo Cabret hinter den Wänden des Bahnhofs und kümmert sich um die Bahnhofsuhren. In der Hoffnung eine Botschaft von seinem Vater zu erhalten, versucht er, eine von ihm hinterlassene mechanische Figur zu reparieren. Hilfe erhält er von Isabelle (Chloë Grace Moretz, Let Me In), einem Mädchen, das endlich ein Abenteuer erleben will.

Doch dieses Abenteuer schöpft lange nicht sein durch die dichte Atmosphäre vorhandenes Potential aus: Scoresese erschafft eine visuell beeindruckende Welt hinter den Bahnhofsmauern, die in Kombination mit einem düster-verschneiten Friedhof, der mysteriösen Figur, die nur mit einem herzförmigen Schlüssel betrieben werden kann und dem Setting im Paris der 30er Jahre eine Steilvorlage für ein gelungenes Abenteuer bieten sollte. Trotzdem will der Film in der ersten Hälfte nicht so recht an Fahrt aufnehmen. Erst als die Protagonisten die Filme von Georges Méliès (Le Voyage dans la Lune bei Youtube) entdecken, versprüht Hugo die erhoffte Magie. Hier ist Filmenthusiast Scorsese in seinem Element: Geschickt setzt er die Werke des französischen Filmpioniers in Szene und überträgt seine Begeisterung auf das Publikum.

Martin Scorseses (Goodfellas) erster „Kinderfilm“ weiß technisch voll und ganz zu überzeugen, wartet mir hervorragenden, teilweise aber etwas unterforderten Schauspielern auf, und entfaltet seinen ganzen Charme erst in der zweiten Hälfte.

7/10


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