Young Adult

Die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman und Diablo Cody wollte mir nicht so recht gefallen: In Juno präsentierten die beiden hippe Dialoge und noch hippere Musik, blieben mit ihrer Geschichte um eine Teenagerschwangerschaft aber ein gutes Stück von der Realität entfernt. Juno war dennoch ein Hit bei Publikum und Kritikern; dass die neue Kollaboration zwischen Reitman und Cody auf nicht allzu großes Interesse stößt, ist deswegen überraschend – aber auch nachvollziehbar.

Mavis Gary (Charlize Theron) ist ein schlechter Mensch: In ihrem Leben läuft es nicht wie gewünscht, ihre Bücher für junge Erwachsene verkaufen sich kaum mehr, ihre Ehe ist gescheitert, sie verbringt ihre Tage damit, Depressionen im Alkohol zu ertränken. Als sie eine Email von ihrer Jugendliebe Buddy Slade (Patrick Wilson, Angels In America) erhält, in der er stolz von seiner neugeborenen Tochter berichtet, beschließt Mavis, in ihr Heimatkaff Mercury, Minnesota zu fahren, um Buddy zurückzugewinnen und seine glückliche Ehe zu zerstören.

In den meisten Hollywoodfilmen würde nun folgendes passieren: Spätestens nach einer Konfrontation mit Buddy und ihren Eltern würde Mavis ihre Probleme erkennen, an ihnen arbeiten, vielleicht sogar in Mercury bleiben, ein neuer und besserer Mensch werden und idealerweise noch den Mann fürs Leben finden. Doch in Young Adult lernt Mavis nicht, sie wächst nicht über sich hinaus. Obwohl ihr Leben einem Trümmerhaufen gleicht, fühlt sie, die es immerhin in die große Stadt geschafft hat, sich überlegen. Sie kommt mit einer Arroganz in Mercury an, sie verlässt Mercury mit einer fatalistischen Überheblichkeit.

Mavis‘ Weg ist von persönlicher Stagnation geprägt, Young Adult bietet dennoch nicht nur ein herrlich tragisch-komische Geschichte, sondern erschafft dazu den wohl faszinierendsten Charakter des Kinojahres. Charlize Theron stürzt sich furchtlos in Mavis‘ Fehler und Schwächen, zeigt sie manchmal verletzlich, meistens verzweifelt und doch angewidert vom Kleinstadtspießertum. Mit dem Leben eines Erwachsenen kam sie nicht klar, nun klammert sich Mavis an ihre Teenager-Träumereien. Theron darf ihre Figur dank des gewagten Drehbuchs konsequent zu Ende entwickeln. Der Film kommt dadurch entwaffnend ehrlich daher.

Young Adult untergräbt Hollywoodregeln und bietet bitterböse Unterhaltung – vor allem, wenn man erkannt, dass Mavis eine reale Figur ist, die einem selbst vielleicht gar nicht so fremd ist.

9/10

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