A Separation (Jodái-e Náder az Simin)

Zunächst hält die Kamera auf Nader (Peyman Moadi) und Simin (Leila Hatami). Sie sitzen vor dem Scheidungsrichtung, Simin will sich vor ihrem Mann scheiden lassen. Sie will den Iran in Richtung Europa verlassen, hofft auf eine bessere Zukunft für ihre Tochter Termeh (Sarina Farhadi). Das Visum gilt noch weitere 40 Tage, doch Nader hat vor, in Teheran zu bleiben. Er muss sich um seinen an Alzheimer erkrankten Vater (Ali-Asghar Shahbazi) kümmern. Der Richter aber erkennt keine ausreichenden Scheidungsgründe und willigt nicht ein.

Simin verlässt Nader trotzdem und setzt damit einen Strudel aus Ereignissen, menschlichen Fehlern, Halbwahrheiten und Lügen in Gang. Nader engagiert die aus einem ärmlichen Vorort kommende Razieh (Sareh Bayet), die sich um seinen Vater kümmern soll. Doch schon nach einigen Tagen findet er seinen Vater allein und an sein Bett gebunden vor, zudem fehlt Geld. Razieh habe wichtigen Besorgungen machen müssen. Es kommt zum Streit, Nader wirft Razieh aus der Wohnung. Bald erfährt er von Simin, dass sich Razieh seit dem Streit im Krankenhaus befindet und ihr ungeborenes Kind verloren hat.

Dann gibt es eine Klage, und mit der Klage Anhörungen, Beschuldigungen, Ermittlungen. Regisseur Asghar Farhadi lässt sein Scheidungsdrama über sich hinauswachsen: Mal kommt Anspannung wie in einem Krimi auf, mal wühlt A Separation emotional auf, oft frustriert die Kommunikationsunfähigkeit der Charaktere, meist gibt die moralische Komplexität der Situation zu denken. Die Handlungen eines jeden Charakters befinden sich in einer moralischen Grauzone. Jeder hat seine Gründe – religiöse, persönliche, teils egoistische – und all die Gründe sind nachvollziehbar. Die Schuldfrage beantwortet der Film nicht, und auch der Zuschauer wird seine Schwierigkeiten damit haben.

Nebenbei zeichnet Farhadi das Bild eines Landes, das sich ebenfalls gerade im Trennungszustand befindet. Simin ist Teil des modernen Irans, trotzdem fühlt sie sich eingeengt in den alten, für Europäer befremdlich religiös geprägten Strukturen. Razieh dagegen handelt vollständig aus ihrem Glauben heraus und hat ständig Angst davor, zu sündigen. Dass sich die handelnden Personen, vor allem das sich trennende Ehepaar, stellenweise im Kreis drehen, liegt eben daran: Sie scheinen schon zu weit voneinander entfernt zu sein, als dass noch eine funktionierende Kommunikation zwischen ihnen möglich wäre.

A Separation ist ein spannender moralischer Krimi, getragen von glaubhaften Schauspielern, der teilweise – wie seine Charaktere auch – auf der Stelle tritt. Das ist realistisch, aber auch frustrierend. Doch die Anstrengung für einen komplexen, wichtigen Film lohnt sich.

8/10

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