The Avengers

Ein Mammutprojekt wie The Avengers, in dem ein Haufen Superhelden wie Iron Man, Hulk, Thor oder Black Widow, die zuvor teils in eigenen Filmen dem Publikum vorgestellt wurden, versammelt werden, hätte grandios scheitern können. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, mit so vielen Charakteren zu jonglieren, ihnen allen etwas zu tun zu geben und gleichzeitig darauf zu achten, dass der Film auch ohne größere Vorkenntnisse funktioniert. In dieser Hinsicht ist The Avengers gelungen: Drehbuchautor und Regisseur Joss Whedon, der bisher kaum fürs Kino arbeitete, aber mit Buffy the Vampire Slayer und Firefly schon Meilensteine des Fernsehens erschuf, setzt seine vielen Darsteller geschickt ein. Das ist nicht weiter überraschend, zeichneten sich seine TV-Projekte doch gerade durch perfekt funktionierende Ensembles aus.

Die Handlung von The Avengers enttäuscht dagegen etwas. Geboten wird eine solide Variation der Helden-retten-die-Welt-Geschichte, aber eben nicht mehr. In Buffy (und mit gewissen Abstrichen auch in Firefly) hatte die äußere Handlung – die mit der Absurdität der Avengers-Geschichte mindestens vergleichbar war – immer die Funktion, die Charaktere voranzutreiben. Es ergab sich ein komplexes Beziehungsgeflecht, eine Metapher auf das Erwachsenwerden und sogar ein halbwissenschaftlicher Forschungszweig, die sogenannten Buffy Studies (inklusive eines vierteljährlich erscheinenden Journals). Es ließ sich über Soziologie, Gender Studies, Theologie oder Psychologie diskutieren. Gleichzeitig baute Whedon durch hervorragende Drehbücher emotionale Beziehungen zu seinen Figuren auf und scheute sich nicht davor, sie dem Publikum mal mehr, mal weniger gewaltsam wieder zu entreißen. Dass The Avengers in Spielfilmlänge nicht an diese Komplexität herankommt, verwundert nicht weiter; dass sich die Geschichte allerdings so dünn gestaltet, dass auch der Mut fehlt, einem der Helden ein fatales Ende zu bescheren, ist dennoch sehr schade.

Denn so kommt nie richtige Spannung auf. Die Helden sind in Sicherheit, die Erde steht sowieso nie wirklich vor ihrem Untergang. Was kümmern mich da all die Kämpfe, all die Explosionen? Die Actionszenen sind zunächst hübsch anzusehen, dann ein bisschen langweilig und schließlich vor allem anstrengend. Viel überzeugender ist The Avengers da schon als Komödie: Die meisten der Helden sind recht neurotisch, ihr Zusammentreffen sorgt für Chaos; verbunden mit einigen gelungenen One-Linern ist das ziemlich amüsant.

Für die nach dem bombastischen Erfolg anstehende Fortsetzung hätte ich folgenden Vorschlag: Man lässt die Heldentruppe in eine WG ziehen, gönnt der Erde ihren Frieden und inszeniert The Avengers 2 als dialogreiche Neurotiker-Komödie im Woody Allen-Stil. Ich wäre begeistert!

6/10

Advertisements