The Crucible

Werden großartige Bühnenstücke verfilmt, so ist das Ergebnis nicht selten ein Meisterwerk. A Streetcar Named DesireWho’s Afraid Of Virginia Woolf?Closer oder Angels in America lassen den Wechsel von der Bühne auf die Leinwand allzu leicht erscheinen: Man verteilt die Rollen einfach an ein paar talentierte Darsteller; die Dialoge sind ohnehin schon perfekt. Dass ein bisschen mehr dahinter steckt, zeigt die Verfilmung von Arthur Millers The Crucible.

Miller schrieb sein Stück um die Hexenjagd in Salem in den 50er Jahren – einer Zeit, die in den USA von der roten Angst geprägt war. Senator McCarthy betrieb eine gnadenlose Verfolgung von Kommunisten, wobei Verdächtigte aufgrund von Spekulationen und Hörensagen vor Gericht gebracht wurden. (Eine hervorragende Aufarbeitung des Themas liefert Good Night, and Good Luck.) In seinem Stück weist Miller auf die Parallelen hin, zielt also auf eine Kritik der (politischen) amerikanischen Gesellschaft ab. Zur Zeit der Uraufführung sollten die Ähnlichkeiten zudem offensichtlich gewesen sein. Eine heutige Umsetzung des Stoffes verliert diese konkrete politische Dimension wohl zwangsläufig.

The Crucible ist jedoch weiterhin eine Warnung. Der Film zeigt das Negativbeispiel einer Theokratie, er zeigt eine Gesellschaft, in der Misstrauen, Intoleranz und (falscher) Glaube zu Hysterie mit fatalen Konsequenzen führen. Der Fokus in Nicholas Hytners Verfilmung liegt aber auf dem persönlichen Drama: The Crucible ist die Geschichte des Farmers John Proctor (Daniel Day-Lewis, There Will Be Blood), der nicht an Hexen glaubt, aber dennoch mit ansehen muss, wie das halbe Dorf aufgrund Anschuldigungen junger Mädchen verhaftet wird. Seine Affäre mit der 17-jährigen Abigail Williams (Winona Ryder, Heathers) bringt schließlich auch seine Frau Elizabeth (Joan Allen) in Gefahr.

Das von Miller selbst verfasste Drehbuch und großartige Darsteller – Day-Lewis glänzt wie immer, Allen ist in einer recht zurückhaltenden Rolle eine Offenbarung – sorgen dafür, dass The Crucible kein schlechter Film ist. Hinter den erwähnten meisterlichen Verfilmungen bleibt die Adaptation dennoch zurück. Nicht nur, weil die politische Komponente wegfällt, sondern vor allem wegen einer stellenweise sehr melodramatischen Inszenierung. An Dramatik fehlt es dem Stück ohnehin nicht, die pompöse musikalische Untermalung steht der emotionalen Kraft da eher im Weg.

7/10

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