August 2012: Von Prometheus über Pulp Fiction bis zu Vertigo und den besten Filmen aller Zeiten

Die letzte Rezension liegt anderthalb Monate zurück; Zeit also, mich wieder mal zu Wort zu melden. Filmtechnisch war ich nicht untätig, doch an Zeit mangelte es, an Blogfaulheit allerdings nicht. Besser spät als nie gibt es hier nun einige Kurzberichte zu den Filmen, die ich im August neben The Dark Knight Rises und Brave noch gesehen habe.

The Best Exotic Marigold Hotel sah im Trailer nach belanglosem Feel-Good-Movie aus und erwies sich letztlich als genau das. Das Indien-Setting, in das die Rentnertruppe versetzt wird ist herrlich bunt, wenn auch vermutlich voll von Klischees und fern jeglicher Realität. Der Film gewinnt durch renommierte britische Darsteller wie Judi Dench (Jane Eyre), Maggie Smith (Gosford Park), Tom Wilkinson (Michael Clayton) oder Bill Nighy (The Boat That Rocked). Wer wie ich allerdings auf eine Downton Abbey-Reunion zwischen Maggie Smith und Penelope Wilton hofft, sollte sich auf eine Enttäuschung einstellen: Die beiden sind kaum gemeinsam auf der Leinwand zu sehen.
6/10

Seit gefühlten Ewigkeiten wollte ich überprüfen, ob Pulp Fiction den Test der Zeit besteht. Der Gangster-Genremix brachte vor fast zwei Jahrzehnten zwar die Filmwelt gehörig voran, doch das muss ja nicht heißen, dass der Film auch heute noch so viel zu bieten hat. Pulp Fiction ist jedoch immer noch grandios wie eh und je. Dass John Travolta und Uma Thurman die wohl großartigste Tanzszene der Filmgeschichte abliefern, war mir noch bewusst. Doch erst im Laufe des Films kamen Erinnerungen – und damit die Vorfreude – auf unzählige weitere Szenen hervor, die Pulp Fictions Status als Kultfilm begründeten und für die nächsten Jahrzehnte zementieren: Amanda Plummers Eröffnung durch „Any of you fucking pricks move, and I’ll execute every motherfucking last one of ya!“, Uma Thurmans Nahtoderfahrung oder Christopher Walkens Geschichte von Männern im Krieg. Unterlegt von Liedern, die noch heute untrennbar mit den einzelnen Szenen verbunden sind, ist Pulp Fiction Quentin Tarantinos Meisterwerk.
10/10

Prometheus war einer der Filme, die ich zu Ende des letztens Jahres sehnsüchtigst erwartete. Der Trailer ließ auf epische und dennoch intelligente Science-Fiction hoffen; doch wie so oft wurden all zu hohe Erwartungen ein wenig enttäuscht. Ridley Scotts Ambitionen waren hoch, er schickte sein Team immerhin auf die Reise nach der Erkundung der menschlichen Existenz. Und während die religiöse Thematik der große Pluspunkt des Films ist, handeln die Protagonisten nicht schlauer als eine durchschnittliche Figur aus einem mittelmäßigen Teenie-Slasher. Wenn die geplante Fortsetzung jedoch die Evolution des Alien-Wesens weiter verfolgt, bleibe ich vorerst optimistisch. Denn schlecht war Prometheus auf keinen Fall, der erhoffte SciFi-Überflieger aber eben auch nicht.
7/10

James Deans‘ letzten Film, Rebel Without A Cause (… denn sie wissen nicht, was sie tun), bekam ich leider nur im Flugzeug zu sehen. Die Bildqualität war mittelprächtig, der Ton unterlegt von lautem Flugzeugrauschen. Mein Urteil mag also durch die nicht optimalen Sehbedingungen beeinflusst sein. Doch Nicholas Rays Beitrag zur Lage der Teenager im Amerika der 50er Jahre ist heute stellenweise zu belächeln und häufig arg melodramatisch. Vielleicht sind die Probleme nicht mehr aktuell, vielleicht waren sie auch nie so interessant wie sie einem Teenager erscheinen mögen. Viel spannender ist da schon der nie ausgesprochene Subtext des Films: Die Beziehung von Jim (James Dean) und Plato (Sal Mineo) geht zumindest aus Sicht des letzteren weit über Freundschaft hinaus. Judys (Natalie Wood) Beziehung zu ihrem Vater ist sogar sehr unangenehm zu verfolgen. Interpretationen in Richtung inzestuöser Intentionen seitens des Vaters sind da nicht weit hergeholt. So ist Rebel Without A Cause zwar schön gefilmt, heute für mich aber nur noch aufgrund seiner sexuellen Motive und der Rolle James Deans, die ihn endgültig zum Jugendidol machte, interessant.
6/10

Auch Clint Eastwoods Spätwestern Unforgiven beurteile ich vielleicht nicht ganz unvoreingenommen. Der Film lief im Freien im Brooklyn Bridge Park, vor der Skyline Manhattans. Da wird auch das Westerngenre interessanter, als ich es unter normalen Umständen empfinde. Eastwood gibt den berüchtigten William Munny, der viele Männer auf dem Gewissen hat, seit der Ehe mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau der Gewalt jedoch abgeschworen hat. Nachdem zwei Freier eine Prostituierte mit Messerschnitten entstellten, macht er sich mit seinem alten Partner Ned Logan (Morgan Freeman, Seven) aber doch auf den Weg, die Frau zu rächen und eine deftige Belohnung einzustecken. Unforgiven hat viel zu bieten – Gene Hackman (The Royal Tenenbaums) als herrlichen Filmbösewicht, westerntypisch großartige Cinematographie, einen Abgesang auf die zerstörerische Kraft der Gewalt. An manchen Stellen kommt jedoch die Charakterzeichnung zu kurz (Morgan Freemans Ned Logan bleibt blass), die Relevanz von Richard Harris‘ Rolle als English Bob erschließt sich mir gar bis jetzt nicht.
7/10

Kim Novak, herrlich unterkühlt in Vertigo

Und auch Hitchcocks Vertigo konnte ich endlich auf der großen Leinwand genießen, nachdem der Film in der renommierten Sight and Sound-Abstimmung erstmals seit 50 Jahren Citizen Kane als besten Film aller Zeiten ablösen konnte. An meiner Bewertung von vor zwei Jahren halte ich allerdings fest. Das Spiel um Identitäten ist fesselnd, Scotties abnormale Beziehung zu Judy ist spannend, doch die Handlung ist weiterhin unglaubhaft.

Die Kritikerabstimmung von Sight and Sound halte ich trotzdem für höchst spannend und weckt mein Interesse an vielen Klassikern. (Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bis heute weder Citizen Kane noch The Godfather gesehen habe. Ich habe also kein Recht, mich als Filmkenner zu bezeichnen, kann aber mit der Gewissheit leben, dass da draußen noch großartige Filme auf mich warten.) Anzumerken bleibt, dass ein Konsens über die Qualität von Filmen wohl erst nach langer Zeit entsteht. In der gesamten Top 50 befinden sich gerade mal zwei Filme, die ab 2000 entstanden sind. Mit David Lynchs Mulholland Dr. und Wong Kar-wais In The Mood For Love wurde zwar eine gute Auswahl getroffen; man fragt sich allerdings schon, wie lange es dauert, bis es moderne Meisterwerke wie There Will Be Blood in die Liste schaffen.

Und damit wäre ich auch bei dem von mir nahezu vergötterten Paul Thomas Anderson. Sein neuer Film The Master startete vergangene Woche in den USA. Ein Bericht über meine ersten Eindrücke wird bald folgen. Anfang Oktober gibt es dann die Zusammenfassung für den September und bis dahin kann man sich an diesem großartigen Trailer erfreuen:

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