Far From Heaven

Ein idyllischer Herbst im Connecticut der 1950er Jahre: Die Whitakers scheinen das perfekte Ehepaar zu sein. Frank (Dennis Quaid) arbeitet in leitender Position bei einem Hersteller von Fernsehern, Cathy (Julianne Moore, A Single Man) ist Hausfrau und Mutter, steht ihrem Ehemann mit makellosem Lächeln zur Seite und organisiert Partys, die die weiße Oberschicht der ganzen Stadt begeistern. Doch Cathys Eheglück sowie ihre gesellschaftliche Stellung drohen in sich zusammen zu fallen. Sie erwischt Frank mit einem anderen Mann und freundet sich mit ihrem Gärtner Raymond (Dennis Haysbert) an – einem Schwarzen.

Regisseur Todd Haynes siedelt sein Drama nicht nur in den 50er Jahren an, er imitiert auch den Stil der großen Melodramen dieser Zeit. Der Zuschauer bekommt so eine ungeheure Farbenpracht zu sehen, er taucht ein in eine malerische, herbstliche Vorstadtidylle, die geradezu künstlich wirkt. Haynes legte großen Wert darauf, dass Kameraeinstellungen und Beleuchtungstechnik wie vor 50 Jahren angewandt wurden. Großartig spielt Julianne Moore: Sie beschränkt sich nicht auf die Rolle der Cathy Whitaker; viel mehr wirkt sie wie eine Schauspielerin aus jener Zeit, die die perfekte Hausfrau gibt.

Haynes setzt die perfekte Oberfläche – inhaltlich wie auch optisch – in scharfen Kontrast zum Innenleben der Figuren. Cathy kommt anfangs reichlich naiv daher; sie unterstützt ihren Mann bei der „Behandlung“ seiner Homosexualität. Doch was sind ihre Möglichkeiten? Die Naivität und das ewige Strahlen sind ihre Daseinsberechtigung in der Gesellschaft der Vorstadt-Hausfrauen. Die Entwicklung zur moderneren Frau, die vor ihrer Scheidung steht und sich mit einem Schwarzen anfreundet, bringt ihr nichts als Verachtung. Ihre persönliche Entwicklung führt zum (vorläufigen?) gesellschaftlichem Ruin.

Neben der Charakterisierung der Protagonistin besticht „Far From Heaven“ vor allem durch seine Optik, steht sich aber auf inhaltlicher Ebene dabei selbst im Weg. Die äußerliche Perfektion lässt den Film kühl erscheinen, die Charaktere sind irreal, der Zuschauer von ihnen distanziert. Die stellenweise hochdramatische Musik – sie kommt Haynes Vorbildern sicherlich nahe – unterstützt diese Wirkung zusätzlich. Auch wirkt die Einführung der Nebenfiguren, sei es der schwarze Gärtner, sei es Franks Geliebter, manchmal arg platt und klischeebeladen. (Auch das könnte vermutlich als Hommage gedeutet werden, es schadet dem Film aber trotzdem.)

„Far From Heaven“ ist somit ein guter Film; es scheint allerdings, als verhindere schon die Grundidee des Films – ein Melodram der 50er Jahre zu drehen – es, dass das teilweise doch beeindruckende Werk ein großartiger Film sein kann.

7/10

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