Oktober 2012: Teenager in Nöten und die besten Schauspieler

Der Oktober stand zunächst im Zeichen typischer (Film-) Teenager-Probleme: Im Breakfast Club muss das Brat Pack der 80er Jahre an einem Samstag nachsitzen. Dabei treffen High-School-Prinzessin, Sportler, Rebell, Nerd und Außenseiterin aufeinander, nur um in einem langen, spaßigen und auch durchaus schmerzhaften Prozess ihre stereotypen Vorstellungen voneinander abzubauen. Das geschieht ohne erhobenen Zeigefinger, mit hervorragendem Soundtrack und unvergleichlichem 80er-Jahre-Ambiente. Da lassen sich einige Albernheiten, wie ungeahnte Marihuana-Folgen, gerne verschmerzen.
9/10

Eine ähnliche Personenzusammenstellung fährt im vom Joss Whedon (Buffy, The Avengersgeschriebenen The Cabin in the Woods in eine abgelegene Waldhütte, nur um dann nach und zu sterben. Was nach typischem Teenie-Slasher klingt, nimmt bald ungeahnte Züge an und spielt gekonnt mit jedem Horrorfilmklischee. Das ist recht unterhaltsam und ziemlich clever, jedoch nur mäßig spannend und vermutlich auch recht bald wieder vergessen.
6/10

Juliette Binoche in Chocolat

Als ziemlich charmant erwies sich Lasse Hallströms Chocolatin dem Juliette Binoche (Certified Copy) mit ihren Schokoladenkreationen ein kleines, französisches Dorf verzaubert – und Johnny Depp noch dazu. Der Film schafft eine gemütliche Atmosphäre, macht Lust auf Schokolade, ist aber etwas vorhersehbar und arg brav geraten. Dass dafür sogar eine „Best Picture“-Oscarnominierung heraussprang, hat mich ziemlich überrascht.
6/10

Zum Pixar-Fan wurde ich vor über zehn Jahren mit Monsters, Inc. Auch wenn ich dem für das kommende Jahr angekündigten Prequel skeptisch gegenüberstehe, hat das Original doch nichts von seinem Charme eingebüßt. Die liebevoll gestaltete Welt, in der Monster kleine Kinder zum Schreien bringen müssen, um an Strom zu kommen, gehört immer noch zum schönsten, was Pixar je geschaffen hat.
8/10

Nachdem ich mir im letzten Monat meine Gedanken zu beeindruckenden Rollen von Schauspielerinnen gemacht hatte, sind nun die Herren an der Reihe. In der Auswahl fanden sich Ikonen der 70er wie Jack Nicholson in Chinatown oder One Flew Over The Cuckoo’s Nest, ein junger Al Pacino in Dog Day Afternoon oder ein wütender Peter Finch in Network. Dazu gesellten sich moderne Meisterleistungen wie der traurig an seinem Leben scheiternde Philip Seymour Hoffman in Synecdoche, New Yorkdie One-Man-Show von Sam Rockwell in Moon, der an seiner Sucht zugrunde gehende Michael Fassbender in Shame oder ein animalisch brodelnder Joaquin Phoenix in The Master. Und wer kann Klassiker wie Marlon Brando in A Streetcar Named Desire vergessen, der sich die Seele nach seiner Stella aus dem Leib brüllt? Auf eine Top 3 konnte ich mich trotzdem recht schnell einigen; hier folgt sie in chronologischer Reihenfolge.

Richard Burton in Who’s Afraid of Virginia Woolf

Richard Burton gibt in Who’s Afraid Of Virginia Woolf den von seiner Frau Martha (Elizabeth Taylor) gepeinigten George, der trotz bester Voraussetzungen nur eine einzige Enttäuschung für Martha ist. Im Schlagabtausch mit Taylor glänzt Burton, sein George trieft vor Verachtung, seiner Frau und dem Leben gegenüber, er zerstört in einer Nacht nicht nur seine eigene Beziehung – und trotzdem: Burton zeigt uns George als Mensch, der am Ende emotional nackt vor uns steht, der nichts mehr zu verlieren hat, weil alles längst verloren ist.

Jeffrey Wright (mit Al Pacino) in Angels in America

In Angels in America spielt Jeffrey Wright den schwulen Krankenpfleger Belize und den Reiseagenten Mr Lies, der nur eine valiuminduzierte Halluzination ist. In den Rollen, die er schon in der Uraufführung des Theaterstücks Anfang der 90er Jahre belebte, beweist Wright nicht nur seine enorme Wandlungsfähigkeit, sorgt für Witz und Herzlichkeit, sondern macht in einem meiner liebsten Monologe der Filmgeschichte dem sterbenden Monster eines Menschen, Roy Cohn (Al Pacino), noch einmal gehörig Angst vor dem anstehenden Tod.

Daniel Day-Lewis in There Will Be Blood

Daniel Day-Lewis hat sich mit There Will Be Blood ein Denkmal geschaffen. Sein Daniel Plainview ist das Sinnbild eines gierigen Geschäftsmannes, ein verachtenswerter Mann und eine der wohl größten Filmfiguren der letzten Jahrzehnte.

Und damit wünsche ich einen schönen November, der mit Skyfall direkt zu Beginn ein Filmhighlight zu bieten hat. Zwar müsste mein letzter Bond  tatsächlich Goldeneye gewesen sein (lang ist’s her), herausragende Kritiken und Sam Mendes (American Beauty, Revolutionary Road) auf dem Regiestuhl machen mich aber doch ziemlich neugierig!

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