True Grit

Nachdem die Coen-Brüder bei der Oscar-Verleihung 2008 mit ihrem Neo-Western „No Country For Old Men“ triumphierten, präsentieren sie nun einen waschechten Western. Die Neuverfilmung des Romans von Charles Portis wurde zwar mit 10 Oscarnominierungen belohnt, bekam schließlich aber keinen. Dafür entwickelte sich „True Grit“ zum bisher größten kommerziellen Erfolg der Regie-Geschwister. Das ist nicht weiter verwunderlich, ist der Film doch sehr zuschauerfreundlich gestaltet – gerade im Vergleich zum letzten Coen-Werk A Serious Man, welches für einige Zuschauer eher eine bösartige Ohrfeige als ein unterhaltsamer Film gewesen sein dürfte.

In „True Grit“ erzählen sie nun die Geschichte der 14-jährigen Mattie Ross (Hailee Steinfeld), die den Tod ihres Vaters rächen will. Da die Polizei zu beschäftigt ist, um nach dem Täter Tom Chaney (Josh Brolin) zu suchen, engagiert Mattie den sehr berüchtigten, aber vor allem auch sehr versoffenen Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges, The Last Picture Show). Zu ihnen gesellt sich der Texas Ranger LaBoeuf (Matt Damon), dessen Motivation das hohe Kopfgeld ist, dass auf Chaney wegen eines Mordes in Texas ausgesetzt ist. Und so machen sich die drei auf den Weg, immer weiter Richtung Westen, vereint durch das Ziel, einen Mann hängen zu sehen.

In der Welt von „True Grit“ gehört der Tod zum Alltag: Eröffnet wird der Film mit einer wunderschönen Nachtaufnahme. Die Kamera bewegt sich auf die Leiche von Matties Vater zu, ihr Voice-Over erklärt uns die Umstände, die zu seinem Tod führten. Kaum in Fort Smith angekommen, ist Mattie schon beim Bestatter, kurz darauf bei einer öffentlichen Hinrichtung. Doch Mattie wirkt abgebrüht; sie ist intelligent, stur und durchsetzungsfähig. Ihr einziges Ziel ist es, ihren Vater zu rächen. Film-Neuling Hailee Steinfeld überzeugt als Mattie vollends, doch das Drehbuch verwehrt eine tiefere Charakterisierung. Nähme man ihren starken Willen weg, bliebe nicht viel von der Figur übrig.

Ebenfalls vielen Leichen ist Rooster Cogburn begegnet – in der Regel war er für ihren Tod verantwortlich. Bridges nuschelt sich als alternder, dicker, versoffener Marshall durch den Film, so dass das Zusehen die reinste Freude ist. Auch die Figur des Cogburns ist nahe am Stereotyp, doch immerhin bekommt der Zuschauer Einblicke in seine Vergangenheit. Und die ist stellenweise fast ein bisschen mitleidserregend. So zeichnen die Coens Cogburn als ehemaligen Revolverhelden in einer Zeit – das 19. Jahrhundert neigt sich dem Ende zu – in der Revolverhelden bald nicht gebraucht werden.

„True Grit“ ist ein sehr humorvoller Film, der sich trotzdem wohltuend ernst nimmt. Der Western wird stringent erzählt, die Regisseure haben ihr Ziel immer vor Augen. Überraschungen halten sich zwar in Grenzen, doch die hervorragenden Darsteller, die unterhaltsamen Dialoge und vor allem auch Roger Deakins‘ Kameraarbeit machen den Film zu einem unterhaltsamen Augenschmaus. Deakins fängt die beeindruckende Weite des Westens ein und schafft – insbesondere in der Eröffnungsszene und dem finalen Ritt durch die Nacht – Szenen von seltener Schönheit.

„True Grit“ ist vielleicht nicht der beste Film der Coen-Brüder, doch immerhin erwecken sie den Western wieder zum Leben – ausgerechnet mit einem Film, der vom Ende der Western-Helden erzählt.

8/10

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