My Son, My Son, What Have Ye Done

Die Ankündigung, dass David Lynch (Twin Peaks, Blue Velvet, Mulholland Dr.) einen Film produzieren würde, bei dem Werner Herzog Regie führt, hat bei mir für große Vorfreude gesorgt. Auch die Inhaltsangabe zu „My Son, My Son, What Have Ye Done“ klang vielversprechend: Brad McCullum (Michael Shannon), der nach einem Aufenthalt in Peru „seltsam“ geworden ist, tötet eines morgens seine Mutter (Grace Zabriskie) mit einem Schwert. Mit zwei Geiseln barrikadiert er sich in seinem Haus. Detective Hank Havenhurst (Willem Dafoe) versucht mithilfe von Brads Verlobter Ingrid (Chloë Sevigny) und seinem Freund Lee (Udo Kier) die Situation zu lösen.

Noch mehr habe ich mich schließlich gefreut, als ich las, dass der Film seine Deutschlandpremiere beim Filmfest München feiern würde. „My Son, My Son“ hätte eine perfekte Mischung aus gelungenem Thriller, Reise in den Wahnsinn und unterhaltsamer Lynch/Herzog-awkwardness werden können. Letztere ist auch zuhauf vorhanden, das Ergebnis enttäuscht allerdings doch ein wenig:

Die Handlung, die in der Gegenwart angesiedelt ist, wird nie wirklich spannend, so dass die Thrillerkomponente zu vernachlässigen ist. Herzog scheint auch mehr Interesse an den zahlreichen Rückblenden zu haben. Diese sind teilweise sehr gelungen und tragen zur Charakterisierung der Protagonisten bei. Die Szenen, in denen Brad mit seiner Mutter agiert, sind dabei wohl die gelungensten. Hier erkennt der Zuschauer zumindest ein Motiv für den Mord – neben dem „Verrücktwerden“. Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass Brad „anders“, „seltsam“ sei, seitdem er von einer Reise in Peru zurückgekehrt ist. Auch zu dieser Reise gibt es Rückblenden, die den Film allerdings nicht sonderlich voranbringen. Negativ aufgefallen sind mir aber insbesondere die Ausschnitte mit Brads Verlobter Ingrid – zu keinem Zeitpunkt war es mir nachvollziehbar, warum die beiden ein Paar sind oder wie sie es mit ihm aushält. Warum Lee überhaupt noch mit ihm befreundet ist, blieb ebenso schleierhaft.

Auch wenn die Handlung und die Charakterisierung also nur begrenzt gelungen sind, so überzeugen doch zumindest die Schauspieler: Michael Shannon, der schon in Revolutionary Road eine Glanzleistung als psychisch labiler Nachbar abgegeben hat, wirkt auch in „My Son, My Son“ dem Wahnsinn gefährlich nahe. Wunderbar ist mal wieder Grace Zabriskie (Twin Peaks), die wohl auf ewig auf extrem überzeichnete Charaktere festgelegt sein wird. Udo Kier als Lee Meyers – mit haarsträubendem deutschen Akzent – ist immerhin lustig anzusehen.

Immer wieder versucht Herzog, Lynch zu imitieren, sei es durch komische Kameraeinstellungen, Zwerge oder extreme musikalische Untermalung. Die Wirkung seines Vorbilds erreicht er dabei zwar nicht, als Lynch-Fan kann man sich gegen ein Grinsen im Gesicht jedoch nicht wehren. So ist „My Son, My Son, What Have Ye Done“ zwar kein richtig guter Film; die Vorstellung aber, dass sich Herzog tierisch freut, weil er solche Absurditäten drehen und als Film verkaufen kann, hat mich zumindest die ganze Laufzeit über köstlich unterhalten.

6/10

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